Symbolbild (Walliser Alpen, zeigt nicht das Studiengebiet) · Bild: European Space Agency · Wikimedia Commons
FERNERKUNDUNG · BORKENKÄFER · ZENTRALEUROPA
Steckbrief
- Initiator
- Fernerkundung und Geoinformatik, Freie Universität Berlin (Christopher Schiller, Johannes May, Randolf Klinke, Fabian Ewald Fassnacht)
- Anwendungsbereich
- Schadenserkennung & Katastrophenschutz
- Technologie
- Deep-Learning-Modell zur Anomalieerkennung in unregelmäßigen Sentinel-2-Zeitreihen
- Reifegrad
- Forschung (wissenschaftliche Studie)
- Region
- DACH-Raum (Studiengebiete in Luxemburg, Österreich und Deutschland)
- Datenbasis
- Sentinel-2-Zeitreihen; trainiert mit mehr als 300.000 Zeitreihen ungestörter Nadelwälder
- Verfügbarkeit
- Fachartikel in der Zeitschrift Forestry (Band 99, Heft 2, 2026); Copernicus-Daten frei verfügbar
Je früher ein Käferbefall auffällt, desto eher lassen sich befallene Fichten entnehmen, bevor die nächste Generation ausfliegt. Satelliten versprechen diese Früherkennung seit Jahren. Die Studie der FU Berlin prüft nüchtern, wie weit sie trägt.
Die Herausforderung
Sentinel-2 liefert alle paar Tage Bilder, doch Wolken lassen die Zeitreihen Lücken. Der Käferbefall zeigt sich im Satellitenbild erst, wenn die Krone Veränderungen aufweist.
Funktionsweise
Das Modell lernt anhand von mehr als 300.000 Zeitreihen ungestörter Nadelwälder, wie sich gesunder Wald im Jahresverlauf verhält. Weicht eine Fläche davon ab, wird sie als Anomalie markiert. So kommt es auch mit unregelmäßigen, wolkenbedingt lückigen Zeitreihen zurecht.
Konkreter Nutzen für die Praxis
Die Studie liefert belastbare Zahlen, was ein Satellitenwarnsystem leisten kann. Wird ein Befall erst nach 13 Wochen gewertet, erreichen Nutzergenauigkeit (84,5 %) und Erzeugergenauigkeit (81,5 %) ein brauchbares Niveau. Das hilft bei der Planung: Satellitendaten eignen sich, um Verdachtsflächen zu priorisieren.
Grenzen und Herausforderungen
Innerhalb von zehn Wochen nach Befall erkannte das Modell nur 11,8 % der Fälle (Erzeugergenauigkeit), bei einer Nutzergenauigkeit von 43,5 %. Die Autoren folgern, dass eine flächendeckende Erkennung binnen zehn Wochen allein mit Sentinel-2 wahrscheinlich nicht möglich ist und Begehungen am Boden weiterhin nötig bleiben. Die Zahlen stammen aus Studiengebieten in Luxemburg, Österreich und Deutschland. Für steile Hochlagen mit Wolken- und Schattenlagen sind sie nicht ohne Weiteres übertragbar.
Ansprechpartner und weiterführende Links
Remote Sensing and Geoinformatics, Freie Universität Berlin.
Quelle: Schiller et al.: Early detection of bark beetle infestations in Central Europe using deep learning–based reconstructions of irregular Sentinel-2 time series (Forestry, 2026)